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Dienstag, 01 April 2025

Harte Schale, wertvoller Kern

Die Ackerbohne: Sie ist gesund und gedeiht oben am Berg besser als auf dem Land. Maria Zingerle aus Mittewald ist eine, die sie noch vermehrt, anbaut und erntet. Und sie auf den Teller bringt.

Die Ackerbohne, lateinisch Vicia Faba, gehört zu der Gattung der Wicken. Sie ist jene Bohne, die eigentlich am längsten im Alpenraum kultiviert wird. In Europa wurde sie bereits seit Jahrtausenden angebaut und sie war bis ins 16. und 17. Jahrhundert eine der wichtigsten Kulturpflanzen. Mit der Ankunft der Gartenbohne wurde die Ackerbohne zur Pferde- oder Saubohne heruntergestuft. Auch im Pustertal war sie eine alteingesessene Bohne, wurde aber von der Feuerbohne und der Gartenbohne fast vollständig verdrängt.

Eine, die sie noch in ihrem Acker aussäht, ist Bäuerin Maria Hecher Zingerle aus Antholz Mittertal. Maria spricht von der “Poan”. Sie hat zum Glück noch Samen der Pustertaler Ackerbohne und hegt und pflegt diese wie ein Schatz. Maria kommt ursprünglich aus Antholz. Sie ist auf dem Haslerhof, einem Bergbauernhof über die 1.300 m Meereshöhe, aufgewachsen. Und dort, auf dieser Höhe, wächst ist die Ackerbohne gut, denn die Pflanze mag es kühl.

Maria erinnert sich gerne zurück. Damals wurde der Acker zu Hand mit der Hau bearbeitet. Sie war als Kind immer mit dabei, und hat mitgeholfen beim Aussähen, beim Bearbeiten und beim Ernten. Dieses Wissen möchte Maria auch weitergeben, denn ihr ist es ein großes Anliegen, dass die Ackerbohne weiterhin in den Gärten und in den Äckern zu finden ist. Sie war früher für die Bauersfamilien ein wichtiges Nahrungsmittel, weil sie sehr proteinreich ist. “Meine Mutter kochte sie immer gemeinsam mit der Gerstsuppe und mit dem Surfleisch. Das für uns eine nahrhafte, vollwertige Mahlzeit.” Vor allem für die Wintermonate war die Ackerbohne sehr wichtig, weil sie gut gelagert werden kann. Die Ackerbohne kann man zwar auch roh essen, da sie wenig Phasin enthalten - im Gegensatz zu den herkömmlichen Bohnen, doch sie wurden meist für die Wintermonate getrocknet und gelagert, erzählt Maria und sie erinnert sich: “Wir Kinder haben die Schalen vom Acker gestohlen, und dann die noch grünen Ackerbohnen gegessen, weil wir ja sonst nichts zum Naschen hatten. Sie waren süß und gut.“ Ihre Eltern waren darüber natürlich nicht begeistert, denn für sie war die Ackerbohne wichtig für den Wintervorrat. Deshalb sagte der Vater immer: “Stehlt ja nicht die Poan vom Acker, da kommt der Blutschinken herausraus. Wir haben uns immer ein wildes Tier vorgestellt und sind ganz heimlich hingegangen und dann schnell wieder weggelaufen.”

Ackerbohne: dankbare Pfanze

Maria beschreibt die Ackerbohne als eine unkomplizierte, dankbare Pflanze: “Sie gedeiht vor allem in höheren Lagen gut. Sie verträgt eben Frost und Kälte und sie liefert hohe und sichere Erträge.” Sie setzt die Samen Ende März, April, sobald der Boden aufgefroren ist. In tieferen Lagen sollte sie schon früher gesetzt werden. Maria sät die Samen ca. vier cm tief, so keimen sie schnellen. Sie können auch tiefer gesät werden, ca. 7-8 cm tief, so macht ihnen die Kälte nichts aus.

Anfang Juni blüht sie. “Ihre Blüten sind wunderschönen!”, schwärmt Maria, “weiß und in der Mitte schwarz.” Ihre Ackerbohnen werden ca. 70 cm hoch. Sie haben einen festen Stängel und einen aufrechten Wuchs. Sie benötigt kein Rank Gerüst, soll aber entweder gestützt werden oder zur Erhöhung der Standfestigkeit in mehreren Reihen nebeneinander angebaut werden. Sie werden auch nicht vom Bohnenkäfer befallen. “Wichtig ist aber die Fruchtfolge zu beachten, und neben der Gartenbohne mag sie es nicht,” ergänzt Maria. Im Spätsommer trägt die Pflanze dann die grasgrünen Hülsen. Später dann im Spätherbst, wenn die Hülsen an der Pflanze ganz schwarz und die Bohnen trocken sind, lässt diese Maria noch nachtrocknen und dann werden diese “ausgefiesetl” und für den Wintervorrat in große Gläser abgefüllt. “Sie müssen schon ganz trocken sein” so Maria.

Proteinreich und lagerfähig

Heute noch wird bei Maria zu Hause die Ackerbohne mit der Gerstsuppe gegessen. Sie macht aber auch mit den Ackerbohnen einen Salat, dafür weicht sie am Abend davor die Bohnen ein, und sie gibt gerösteten Speck dazu. “Das schmeckt wunderbar,” so Maria. Sie macht auch eine Suppe. Im Ultental, wird die Ackerbohne grünreif geerntet, als Schote also und mit Erdäpfeln mitgekocht. Danach werden die weichgekochten Bohnen mit den Kartoffeln mit gegessen. Das Grundnahrungsmittel Ackerbohne war Grundlage für viele Alltagsgerichte und wurde vielfältig genutzt. Sie war Kraftnahrung für die schwere Winterarbeit, wie etwas das Heuziehen. Oft wurden auch gekochte Ackerbohnen in der Hosentasche als Schuljause oder kleine Zwischenmahlzeit mittragen. “Ihr Geschmack ist schwer zu beschreiben,” sagt Maria, “ähnlich wie die Bohnen, nussig und erdig. Sie schmecken einfach gut!”

Wertvolles Saatgut

Die voll ausgereiften und getrockneten Bohnen wurden auch als Saatgut vermehrt. Dafür wurde ein Teil der Bohnen für die Aussaat im Frühjahr zurückbehalten und davon dann die schönsten, dicksten und gesund aussehenden Bohen für die Aussaat gewählt. Und das macht Maria heute noch. Ihr Wissen um den Anbau und das Vermehren hat Maria von ihrer Mutter. Maria hatte das Glück, dass sie noch altes Saatgut hat. “Mein Bruder war Briefträger und er hat die Samen von einem Bauer in Geiselsberg erhalten. Und das ist der gleiche Samen, die meine Mutter hatte!” Seit 1975 hegt sie dieses Samen und vermehrt sie weiter. “Das ist sehr wichtig, denn wir brauchen Saatgut, das hier bei uns gut wächst, unseren klimatischen Bedingungen angepasst ist!” Antholz liegt auf 1250 Meter, und wir haben Nordwind. Die Vegetationszeit ist kurz.” Deshalb hegt und pflegt Maria nicht nur die Ackerbohne, sondern auch anderes Saatgut vom Haslerhof, z.B. die Palerbsen, den Leinsamen und den Mohn. Marias Saatgutkiste ist groß – eine besonders wertvolle Vielfalt.

Dieses Saatgut darf nicht verloren gehen. Maria möchte dieses Saatgut weitertragen, deshalb ist ihr das Vermehren ein großes Anliegen. ”Wir wissen, was weltweit passiert mit dem genmanipulierten Saatgut und wir wissen nicht, wo die Reise hingeht, und deswegen ist es ganz wichtig, dass wir lokal die samenfesten Sorten erhalten. So geht dieses Kulturvielfalt nicht verloren, wir müssen sie erhalten,” so Maria. Der Austausch mit den anderen Erhalterinnen und Erhalter zu sein ist wichtig, sagt Maria, dadurch lebt das Saatgut weiter. Im Gespräch mit Maria spürt man die Ehrfurcht, die sie für das wertvolle Saatgut verspürt. Sie hat noch einiges an Saatgut von ihrer Mutter: zum Beispiel auch den Hasler Mohn, Leinsamen und die Palaerbse. Auch diese hat einen besonderen Wert für Maria. Sie kultiviert ihre Samen seit 1975 in ihrem Garten. “Das Weitermehren wird immer wichtiger. Diese wertvollen Pflanzen sterben sonst aus!” Maria hat eine Bitte: “Nehmt euch die Freude, nehmt euch die Zeit, die Samen auszusähen, es zu probieren. Ihre werdet sehe, es schmeckt euch gut. Und sagt unserem Herrgott danke, dass wir diese Samen noch haben.”

Mehr Informationen zur Ackerbohne:

- Arche Südtirol: https://archesuedtirol.com/
- Broschüre Pustertaler Vielfater: Pustertaler Vielfalter - Kulturartenvielfalt und Saatguterhaltung im Pustertal: Lokale Herkünfte und deren ErhalterInnen. Brigitte Vogl-Lukasser, Christian R. Vogl & Ricarda Schmidt

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